ASommertraum tTraumsommer

Reisebericht von Reni Schmudermaier

 

Wer hat nicht schon mal davon geträumt, seine Sachen zu packen und einen wirklichen Sommer lang da zu sein, wo das Leben leicht und beschwingt ist, wo man sich eine andere Lebensart zulegt, wenn auch nur auf Zeit. Das haben wir mit unserer “MISS“ einfach mal ausprobiert. Was wir erlebt, wie wir uns gefühlt haben, ich habe versucht, es hier in meinem Tagebuch festzuhalten:

 

April – Mai 2003:

Unsere „MISS“ ein 7,50 langes Segelboot, durften wir in unserem SMC an Land stehen lassen und wird für einen Langzeittörn ausgerüstet: die vorhandenen Polster werden ausrangiert und durch neue Polster in modernem Design mit festerem Schaumstoff ersetzt. Es wird ein moderner 2-flammiger Herd eingebaut. Das Unterwasserschiff bekommt einen neuen Anstrich, unser Beiboot an der Rehling befestigt und alles wird so verzurrt, dass unser Segler die 1200 km lange Fahrt mit dem Trailer gut übersteht.

 

Dienstag,  3.6.2003:

Es ist soweit, gut ausgeschlafen, gut gefrühstückt hängen wir*) unser Boot ans Auto. Um 9.30 geht es los. Die Sonne scheint, und dank der Klimaanlage im Wagen ist die Fahrt angenehm. Mit einigen Zwischenstopps erreichen wir um 23.00 Uhr Parma (Italien) und entschließen uns, hier auf dem Rastplatz zu übernachten.

 

*) das ist die Crew der „MISS“:

 

Manfred:   Skipper, Navigator, 1. Steuermann, 1. Bordverpflegungs-Einkäufer

Reni:   2. Steuerwoman, Anchorwoman, Smutje, Segelsetzerin und -bergerin,       

           2. Bordverpflegungs-Einkäuferin

 

Mittwoch,  4.6.2003:

Punkt 13.00 Uhr kommen wir in Castiglione della Pescáia, unserem Kranhafen an. Wir kennen die hiesige Werft. Es ist Siesta, so dass wir noch einige Zeit warten müssen. Zwischenzeitlich schauen wir uns ein wenig um, sehen eine deutsche Yacht. Nachdem wir beim Eigner erfahren, dass ein Kran am Anfang des Hafens stationiert ist, fragen wir dort nach einem Krantermin. Überraschenderweise wird der uns direkt gegeben. Um 14.30 Uhr ist der Mast gestellt, das Boot im Wasser, und wir steuern unser Boot in den Hafen. Gleich werden wir gefragt, wie lange wir bleiben wollen. Unserer Vorstellung, mindestens 1 Woche hier zu verbringen, steht man skeptisch gegenüber, da die Liegeplätze bis auf zwei alle belegt sind. Mal abwarten, denken wir uns. Und so bekommen wir einen schönen Platz am Ende des Hafens. Es weht eine frische Brise, sehr angenehm, da es doch sehr heiß ist.

                                      

Donnerstag, 5.6.2003

Heute müssen wir uns um einen geeigneten Platz für unseren Trailer und das Auto bemühen. Dass wir nicht auf dem öffentlichen Parkplatz bleiben können, ist uns schon klar. Man empfiehlt uns eine Garage im Ort. Die besteht aus einer großen Halle für Wohnwagen, Anhänger und Autos. Als uns der Preis genannt wird, schlucken wir doch erst mal. Ca. 320 € pro Monat werden uns angeboten. Wir überlegen und der Gedanke, vielleicht auf einem Campingplatz zu versuchen, nimmt Gestalt an. Gerade mal 6 km südlich von C.d.P. finden wir einen Campingplatz, auf dem wir das Auto für die Zeit unserer Abwesenheit abstellen können. Pro Tag 1,-- €, da kann man nicht meckern. Wir wollen das Auto dorthin bringen, sobald  wir mit dem Törn beginnen.

 

Freitag, 6.6.2003

An unserem Trailer muss etwas geschweißt werden, und so bringen wir ihn zu einer Werkstatt, die das auch ordentlich macht. Am Montag können wir ihn dann wieder abholen.

Wir fahren mit dem Auto nach Punta Ala, der großen Marina, zwecks Information. Da ist zwar alles vorhanden, Platz bekämen wir auch, aber man ist doch weit ab vom Schuss. C.d.P. hingegen ist ein sehr schöner Ort mit einer neuen Fußgängerzone. Dort ist Leben, vor allem abends hat er sehr viel Flair. Unser Liegeplatz befindet sich direkt am Fuße des mittelalterlichen „Castello“, wir haben einen wunderbaren Ausblick. Er erinnert uns ein bisschen an die Festung Ehrenbreitstein. Vielleicht fühlen wir uns hier deswegen so wohl. Der Strand, der sich unmittelbar an den Hafen anschließt, lädt zu langen Spaziergängen ein. Kite-Surfer sind zu bestaunen und das ital. Strandleben überhaupt.

 

Samstag, 7.6.2003

Gleich am 1. Wochenende unseres Italien-Aufenthaltes mögen wir den Samstag und Sonntag nicht. Das geht schon gleich Samstagmorgen los: Es bricht eine Hektik aus, jeder, der ein Boot besitzt, kommt  zum Hafen, verbreitet Lärm und Stress. Die ersten Flitzer kommen schon um 9 Uhr mit Kind und Kegel, ab nach Elba; es sind ja nur ca. 20 sm. Sonntag Nachmittag verebbt das Gewusel, und wir haben den Hafen wieder für uns.

                              

Samstag, 14.6.2003

Wir liegen immer noch in C.d.P., denn heute kommt Silke zu Besuch. Um 8.05 Uhr landet sie mit dem Flugzeug in Pisa. Wir holen sie dort ab, und da wir schon mal in der Nähe sind, geht die Fahrt gleich nach Florenz. Um 10.00 Uhr streifen wir durch diese schöne toskanische Stadt, besichtigen den Dom (ein Muss), die Piazza della Signoria, den Palazzo Vecchio, die Loggia della Signoria, bestaunen den großen Brunnen von Ammannati mit der großen Gestalt des Neptun, von den Florentinern „Il Biancone“ (der große weiße Mann) genannt und wenn auch nur eine Kopie, so auch den David von Michelangelo. Wir schlendern über die Ponte Vecchio, genießen das schöne Florenz, nehmen unser Frühstück in der Bar, so wie das die Italiener machen. Es ist super. Alle Eindrücke zu beschreiben, würde den Rahmen meines Tagebuches sprengen. Im Giardino di Boboli verschnaufen wir, denn auch Siena steht noch auf dem Programm. Ein letzter Blick vom Piazzale Michelangelo über Florenz, und weiter geht die Fahrt durch die Toskana nach Siena. Sie ist die nobelste der toskanischen Städte, hat ihr mittelalterliches Erscheinungsbild fast unverändert erhalten. Auch hier wieder ein herrlicher Dom aus dem 13. Jh., die Piazza del Campo, auf dem alljährlich am 2. Juli und 16. August der weltberühmte, historische Palio stattfindet. Heute ist der Platz voller Touristen. Die Fahrt nach C.d.P. zurück führt uns durch wunderschöne Landschaften, Felder mit gelben Sonnenblumen, reife Weizenfelder säumen unseren Weg. Und überall die typische toskanische Landschaft: Weinreben, Zypressen Olivenhaine, Pinien und auf den Hügeln die Weingüter oder Bauernhöfe.

 

Sonntag, 15.06.2003

Da der gestrige Tag doch sehr anstrengend war, segeln wir heute nur im kleineren Umkreis von C.d.P. Silke übernimmt meinen Part, ich ruhe mich (mal wieder) aus. Vor einer kleinen Insel unweit Punta Ala werfen wir Anker, schwimmen und schnorcheln. Das Wasser ist erstaunlich warm und glasklar.

                                      

Montag, 16.06.2003

Und weil Silke gestern so gut gesegelt hat, heute gleich noch mal. Gegen Abend ziehen dunkle Wolken auf, aber hier ist nicht Deutschland. Ein Gewitter kommt nicht, und so gehen wir abends gemütlich essen. Zum Nachtisch gibt’s in der besten Gelatteria des Ortes ein köstliches Eis. Die Wahl fällt einem ob der 45 Sorten schon schwer. Ich nehme mir vor, alle zu probieren!!

 

Mittwoch, 18.06.2003

Heute haben wir Silke zum Flughafen zurück gebracht. Es war eine schöne, wenn auch kurze Zeit. Aber die Pflicht ruft, und schließlich haben wir ja Telefon. Sie hat selbst einen größeren Urlaub vor sich.

                                      

Donnerstag, 19.06.2003

Heute beginnt unser eigentlicher Törn gen Süden. Wir haben gestern unsere Hafengebühr entrichtet und uns gleich für Ende August einen Platz reservieren lassen.

8.00 Uhr Leinen los, Windstärke 2-3, in Böen 4 aus Ost, 35,1 sm liegen vor uns. Es sind angenehme 33° C. Um 16.00 Uhr laufen wir den Hafen von Port’Ercole (Argentario) an. Die Plätze sind alle belegt, niemand kümmert sich um uns, und so segeln wir gerade mal „um die Ecke“, 1 sm weiter zur Cala Galera, einer schönen Marina. Nach Anmeldung im Tower und der obligatorischen Frage, wie lange wir bleiben wollen, unsere obligatorische Antwort: 2 Nächte. Die Häfen von Port’Ercole und Cala Galera sind durch einen Berg getrennt. Und so ziehen wir uns festes Schuhwerk an und gehen hinüber nach Port’Ercole, Ambiente schnuppern. Ehrlich gesagt, Marina alles schön und gut, es geht nichts über ein schönes Örtchen mit Bar, Gelatteria und Flaniermeile.

 

Samstag, 21.06.2003

 

Ich freue mich auf Santa Marinella. Dahin wollen wir heute. 9.00 Uhr Abfahrt, 36 sm, 37°C, schwül, wenig Wind. Wir nehmen den Motor zu Hilfe. In der Bucht von Santa Marinella die Wochenend-Bootfahrer, im Hafen Schlange liegen an der Tankstelle. Wir bekommen vom sehr freundlichen, Schlauchboot fahrenden Hafenmeister einen Platz zugewiesen, direkt an der geräumigen Piazza vor dem Hafen. Dass ich mich auf Santa Marinella gefreut habe, sagte ich bereits. Das hat auch seinen Grund: Alles ist hier noch so wie vor 20 Jahren, sogar „unser“ Lokal. Natürlich gehen wir heute zu „Gino“, seine Hähnchen mit Rosmarin sind die besten weit und breit und auch die Pizza vom Blech, frischer und leckerer ist keine. Auf der Piazza am Hafen ist Flohmarkt, ich glaube, das ganze Hinterland ist hier zum Sehen und Gesehenwerden hergekommen. Es ist weit nach Mitternacht, als Ruhe im Hafen einkehrt.

 

Dienstag, 24.06.2003

Unser nächstes Ziel ist Rom. 9.00 Uhr Abfahrt, 25 sm liegen vor uns. 35°C. Um in der Nähe von Rom vor Anker zu gehen, bieten sich der Hafen Fiumicino und die 2 Tiber-Mündungen an: 1. Fiumicino, 2. Fiume grande. Wir entscheiden uns für Fiume grande, lassen die rote Tonne an Backbord liegen. Auf beiden Seiten der Flussmündung ankern Segelboote im 3er-Päckchen. Ca. 200 Meter flussaufwärts der 1. Hafen. Unser 1. Eindruck: genug Platz vorhanden. Vorsichtig fahren wir ein, man weist uns einen Platz zu. Wir gehen mit dem Heck an den Steg (aus Marmor!!) und mit dem Bug zwischen die Dalben. Unser Ankermanöver klappt prima, wir melden uns an. Die Preise sind gesalzen, schließlich befinden wir uns in dem renommierten „Porto romano“. Er bekommt von mir 5 Sterne, halt 1 Stern muss ich abziehen, denn als wir den Swimmingpool benutzen wollen (schließlich möchten wir wegen des nicht gerade sauberen Wassers nicht im Tiber schwimmen), sagt der Bademeister: „members only.“ Find ich nicht gut bei der Liegegebühr. Aber freundlich sind sie allemal. Wir wollen ja auch hier Rom erkunden. Es ist 16.00 Uhr, also fahren wir auch gleich in die Stadt. Zuerst ein Fußweg von 2 km, dann mit dem Bus nach Ostia-Nord, dort mit der S-Bahn nach Stazione Termini, dann U-Bahn bis Piazza di Spagna, mitten ins Zentrum. Da sind wir also in Rom, erst mal Hauptstadtluft schnuppern, Fontana di Trevi, unser Lieblingsplatz Piazza rotonda, Piazza Navona und Trastevere. Wir fahren zurück mit der U-Bahn, leider erreichen wir den letzten Bus nach Isola sacra  (das Land zwischen den Flussarmen) nicht mehr. Ein security-man bietet sich als Chauffeur an für 30 €. Natürlich sind wir froh; er bringt uns unbeschadet zum Hafen. Es ist Nebel aufgezogen, kein Wunder, dass die Engländer sich hier besonders heimisch fühlen.

                         

Mittwoch, 25.06.2003

Heute ist Bildung angesagt. Ich will hier nicht alles aufführen, was wir besucht und besichtigt haben. Die Füße schmerzen, der Verkehr ist chaotisch, wir sind voll mit Eindrücken, haben neue Plätze entdeckt und die Highlights erkundet, wir fallen nachts todmüde in die Koje.

 

 

Donnerstag, 26.06.2003

Jetzt wollen wir doch mal sehen, wie es im Hafen von Fiumicino aussieht. Wir ziehen wieder unser festes Schuhwerk an und los geht’s. Das stößt natürlich beim gesamten Hafenpersonal auf Unverständnis, kein Mensch in Italien wandert bei 35°C im Schatten. Bewaffnet mit Wasserflasche und Mütze marschieren wir erst mal durch die Isola sacra nach Fiumicino. Es ist ein Industriehafen, nicht besonders einladend. Letztendlich sind wir froh, hier nicht festgemacht zu haben

 

Samstag, 28.06.2003

Wir verlassen die Hauptstadt, vorbei an Ostia, der Trabanten-Stadt von Rom, mit seinem endlos langen Sandstrand. Es sind 25,1  sm bei Windstärke 4-5 zu bewältigen, und so sind wir bereits um 14.00 Uhr in Marina di Nettuno. Wir machen längsseits am Transitkai fest und da wir Samstag haben, ist natürlich wieder alle Welt auf den Beinen. Ich habe den Eindruck, dass ganz Italien samstags auswärts isst. Es ist fast kein Platz zu bekommen. Nettuno hat eine mittelalterliche Burg aufzuweisen, die in ihrem Gemäuer eine Reihe schöner Lokale beherbergt.

Am Transitkai hat mittlerweile eine ca. 40 m Motoryacht unter maltesischer Flagge festgemacht, es folgt eine weitere, noch größere Yacht. Um an Bord zu kommen, wird eine Treppe von 8 Stufen auf den Kai gestellt, nur leider geht niemand von Bord. Das Tor am Steg wird verschlossen, damit die Herrschaften unter sich sind. Ich gehe mal davon aus, dass es sich um VIPs handelt, denn pausenlos marschieren neugierige Leute an den Yachten vorbei.

 

Sonntag, 29.06.2003

Hier in Nettuno ist immer was los. Abends wurden im Hafen Werbefotos für Hochzeitskleider – und Anzüge gemacht und bei einbrechender Dunkelheit gab es dann noch ein Feuerwerk. Wir haben einen Top-Logenplatz. Auf unsere Rückfrage wurden wir dann aufgeklärt, dass das Feuerwerk wegen des Patronatfestes  San Antonio von Anzio (unmittelbar bei Nettuno) stattfand.

 

Montag, 30.06.2003

Abfahrt 9.15 Uhr, 35°C, 25 sm, 3 Beaufort. Um 16.15 Uhr laufen wir im Hafen von San Felice Circeo ein. Er ist belegt, in der 3. Reihe bekommen wir noch einen Platz, wenigstens können wir Strom erhalten.

 

Dienstag, 01.07.2003

Der Hafen liegt direkt unterhalb des Monte Circeo, kein Lüftchen regt sich, das ändert sich aber in der Nacht. Fallböen in ungeahnter Heftigkeit kommen herunter.

 

Mittwoch, 02.07.2003

Als wir um 9.15 Uhr die Leinen losmachen und den Hafen verlassen, sehen wir, was der Nachtwind angerichtet hat: Es hat sich eine riesige Dünung aufgebaut, und der Wind weht heftig. Selbst nur unter Groß segeln wir bei Windstärke 4-5 Höchstgeschwindigkeit. Ich schaue nur nach Lee, denn die Wellen, die von achtern anrollen, sind gewaltig. Bei der Attacke verliere ich meine Mütze, beinahe geht der Bootshaken über Bord, meine Schuld, da ich ihn nicht ordnungsgemäß festgemacht habe. Ich kann ihn noch gerade retten, schließlich wird er noch gebraucht.

Um 13.30 Uhr erreichen wir die Insel Ponza. Zuerst sondieren wir die Lage. Wie nicht anders zu erwarten, ist der Hafen voll belegt. In der weiträumigen Bucht liegen Schwimmstege aus, man winkt uns heran. Wir machen längsseits fest. Hier haben wir zwar auch ziemlich Schwell, aber Strom und Wasseranschluss.

                              

Donnerstag, 03.07.2003

Ponza, Palmarola, Zannone bilden zusammen mit der kleineren Insel Gavi  die Gruppe der pontinischen Inseln, ca. 22 sm östlich der Bucht von Gaeta im Tyrrhenischen Meer gelegen. Charakteristisch sind die Grau-, Gelb- und Aschgrautuffstein-Formationen der zerklüfteten Küste, die in Verbindung mit den Grün- und Blautönen des Wassers den Inseln den besonderen Charme verleihen.

Der Hafen von Ponza, in das aus den Hügeln geformte natürliche Amphitheater gebaut, ist mehr als 200 Jahre alt. Der Hafen spiegelt heute die Geschichte allerlei Völker wider, die in diesem winzigen Winkel der Welt ihre Träume, Spuren und Erfahrungen hinterlassen haben. Im Halbrund stehen eine Reihe rot gestrichener Häuser, die früher den Fischern als Materialunterkunft dienten, heute jedoch Läden und Geschäfte aller Art beherbergen. Ständig herrscht ein reger Fährverkehr von und nach Gaeta, Neapel und dem hübschen Ferienort Terracina (Latium).

Ponza ist ein quirliger Ort und wahrlich kein Geheimtipp mehr. Als wir vor 20 Jahren hier waren, wohlgemerkt auch in der Hauptsaison, waren wir fast das einzige Schiff im Hafen, mitten unter den Fischerbooten. Ich erinnere mich an die Anlandung von Schwertfischen, so groß, dass 2 Männer die Fische tragen mussten. Heute wird kaum noch gefischt. Ertragreicher und viel einfacher ist es, an die Touristen, die kein eigenes Boot besitzen, Schlauchboote zu vermieten. Und das Geschäft floriert.

 

Freitag, 04.07.2003

Mit dem Linienbus machen wir einen Ausflug auf der „Strada Panoramica“. Dort, wo der Ausblick besonders lohnend ist, hält der Fahrer, damit die Fahrgäste aussteigen und entweder in die nächste Badebucht wandern können oder einfach der schönen Natur wegen. Wir tun es den anderen gleich und schauen uns schon nach einem geeigneten Ankerplatz um. Der Bus befördert nicht nur Leute, nein auch die neueste Zeitung wird zum Kiosk gebracht. Ein kurzer Schwatz, wir sind am Ende der Straße angelangt. Der Bus wendet, und zurück geht’s mit Blick auf die andere Seite der Insel.

Gegen 18.00 Uhr sind sämtliche verfügbaren Plätze, nicht nur an unserem Steg, sondern auch an den anderen 3 Stegen belegt. Immer mehr Schiffe, kleine, große, Segler, Motorboote, Gleiter, Verdränger, mit italienischer, französischer, englischer, deutscher, österreichischer, sogar mit südafrikanischer Flagge werfen Anker in der Bucht. Weit über 100 Schiffe liegen dort, teilweise sogar im sixpac. Man gibt uns zu verstehen, dass am Wochenende die Liegegebühr am Steg auf 10 € pro Schiffsmeter ansteigt, bei der Nachfrage kein Wunder. Heute Nacht machen wir an einem Katamaran fest. Da wir uns ohnehin  in die Bucht verholen wollen, legen wir am

 

Samstag, 05.07.2003

am Schwimmsteg ab, nicht ohne vorher in der Bar unser Frühstück eingenommen zu haben. Wir haben es uns nämlich zur Gewohnheit gemacht, morgens in der Bar zu frühstücken. Wir mögen diese Gepflogenheit der Italiener, die vor Beginn ihrer Arbeit hierher kommen. Wir ankern also in der Seite der Bucht, wo es nicht so voll ist. Doch bis zum Abend ist auch dieser Teil gut besucht, entsprechend unruhig ist das Meer. Nun kommt auch unser Beiboot zum Einsatz, so sind wir schnell im Ort. Da sich hier Sandstrand befindet, können wir problemlos das Boot an Land ziehen. Zufällig finden wir einen Internet-point, wir hatten schon lange gesucht und sind erstaunt, dass wir auf dieser doch kleinen Insel fündig werden. Die eingegangene Post lesen und gleichzeitig Post schreiben und verschicken ist angesagt.

 

Montag, 07.07.2003

Heute wollen wir nach Ventotene, 22,1 sm südlich von Ponza gelegen. Um 8.15 Uhr lichten wir unseren Anker, bei leichtem NW-Wind sind wir am frühen Nachmittag im alten Hafen. In dem aus dem Tuffstein ausgehobenen, römischen Hafen ankern die Fischer, ebenso wie vor 2000 Jahren. Der Platz für Yachten ist beschränkt, man tut gut daran, zeitig hier zu sein. Direkt neben dem alten Hafen wurde ein neuer Hafen gebaut. Hier legen die Fährschiffe an und das Wasserschiff, denn Ventotene selbst hat kein Süßwasser. Es muss vom Festland mit Trinkwasser versorgt werden. Da braucht man sich nicht zu wundern, dass Wasser nur gegen Bares zu bekommen ist (300 l Wasser kosten 10 €.). Der Wasserschlauch wird gehütet wie ein Goldschatz und liegt natürlich unter Verschluss. Der neue Hafen hat eigentlich genügend Liegeplätze. Aber man hat hier mit Schwell zu tun, und außerdem ist der alte Hafen einfach romantischer. Abends ist er ausgebucht, und einige Segler werden abgewiesen. Alle Schiffe liegen mit dem Bug zum Kai, da sich ein großer Vorsprung unter der Wasseroberfläche befindet. Direkt beim Anlegen wird jedes Schiff mit einem Holzbalken versorgt, der die Gangway vom Bug zum Kai bildet. Bleiben darf man hier nur eine Nacht; die Nachfrage ist zu groß.

 

Dienstag, 08.07.2003

Unser nächstes Ziel ist Ischia. Mit NW-Wind segeln wir um 8.00 Uhr los. Von Ischia-Hafen hat man uns abgeraten, und so nehmen wir Kurs auf Sant’Angelo. Der Hafen ist klein, und da sich eine 30 m-Yacht darin befindet, voll. Also ankern wir in der weiträumigen Bucht mit herrlichem Blick auf den hübschen Ort. Dank unseres Beibootes können wir auch an Land, und nachdem wir uns landfein gemacht haben, rudern wir hinüber zum Einkaufen und  Bummeln. Auf der Piazza am Hafen genießen wir den schönen Tag. Da macht es auch nichts, dass wir für ein Glas Bier (0,4) fünf Euro fünfzig bezahlen. Wir beschließen, die Woche über in der Bucht zu bleiben, zumal ständig ein erfrischender Wind weht und die Bucht zum Baden einlädt.

 

Samstag, 12.07.2003

Es kommt, wie nicht anders erwartet. Bereits um 9.00 Uhr kommen die ersten Wochenendboote, alles schon mal da gewesen, zuerst die kleinen, offenen Boote mit 100 und mehr PS, dann die größeren Yachten und zum Schluss die Segelyachten. Das Wasser in der Bucht ist in ständiger Bewegung, laut und hektisch geht es zu. Ich zähle am Nachmittag 246 Schiffe, die nicht mitgerechnet, die man nicht sehen kann, weil sie hinter einer größeren Yacht liegen. Es ist ein Gewusel ohne Ende. Ich habe das Gefühl, jeder Neapolitaner besitzt ein Boot. Gegen Abend verlassen jedoch die meisten Schiffe die Bucht, und es kehrt Ruhe ein. Außer uns und noch einer deutschen Yacht, bleiben nicht mehr viele. Als uns der Eigner der deutschen Yacht auf ein Glas Wein zu sich einlädt, fahren wir mit dem Beiboot rüber. Es wird ein netter Abend. Das Ehepaar stammt aus München; das Schiff liegt in einem Hafen auf Mallorca. Von dort sind sie auch gesegelt, erst 300 sm nach Korsika, dann nach Sardinien, und jetzt wollen sie in den Golf von Neapel und Salerno. Da beide schon des öfteren hier in der Gegend waren, erfahren wir, dass die Häfen immer voller werden (im August ist ganz Italien in Urlaub) und es kaum einen freien Hafenplatz gibt. Um 24.00 Uhr fahren wir zur „MISS“ zurück. Aufgrund der Aussagen des Deutschen entscheiden wir, nicht mehr weiter nach Süden zu segeln, obwohl wir das eigentlich wollten. Letztendlich steht für uns die Freude am Segeln, die Natur genießen und das herrliche Wetter an erster Stelle. Da macht es auch keinen Unterschied, ob wir ganz nach Süden segeln oder die Route verkürzen.

                                      

Montag, 14.07.2003

Wir segeln nach Ventotene zurück. Das gleiche Spiel wie vor einer Woche, der römische Hafen belegt; wir bekommen jedoch einen Platz, wenngleich die Liegegebühr kräftig angehoben wurde. Heute war der Tag der Tiere. 13 sm vor Ventotene landet eine Libelle auf unserem Schiff, krampfhaft hält sie sich mit ihren dünnen Beinchen am Achterstag fest. Offenbar macht ihr der Wind nichts aus. Auch ein Schmetterling setzt sich in unsere Plicht. Ob die Tierchen so weit vom Festland geflogen sind? Ich werde es wohl nie erfahren, denn nach einer Verschnaufpause starten beide zum Abflug. Nicht lange danach begleiten uns vier Delphine, sie tauchen aus dem Wasser mit elegantem Sprung auf, kreuzen unseren Bug und tauchen auf der anderen Seite wieder unter. Eine Weile können wir uns an diesem Anblick erfreuen, dann sind auch sie weg.

 

Dienstag, 15.07.2003

Eine Nacht Ventotene, mehr geht nicht, ich sagte es bereits. Also, auf nach Ponza. Wir starten um 6.30 Uhr, ca. 22 sm liegen vor uns. Das Meer ist glatt, wir motoren. Plötzlich ein Geräusch. Zuerst dachte ich, es seien Windverwirbelungen, dann sehe ich an Backbord, höchstens 20 m entfernt, einen Wal auftauchen und Luft ausstoßen. Der grau-schwarze Rücken ist genau zu erkennen, er taucht kurz unter, um dann wieder Luft zu holen. Schnell mache ich die Luke zu. Mir kommt in den Sinn, dass Wale schon Schiffe zum Kentern gebracht haben. Wohl ist mir dabei nicht. Dennoch schauen wir fasziniert zu. So urplötzlich wie der Wal aufgetaucht ist, verschwindet er wieder.

Am frühen Nachmittag legen wir in Ponza am Schwimmsteg an. Wir nehmen dieses Mal den „Kollegen“, der allerdings auch gigantische Preise hat. Hier liegen wir zwei Nächte, gehen wieder morgens in unsere Bar und genießen das Treiben auf dieser Insel.

                              

Donnerstag, 17.07.2003

Dann verholen wir uns in die Bucht, es ist nicht weit, mit dem Beiboot an Land zu kommen. Abends kommen immer mehr Segler auf der Suche nach einem Liegeplatz. Unter anderem vier Charterschiffe mit franz. Flagge. Sie legen sich an den Schwimmsteg, den wir morgens verlassen haben. Nachts kommt starker Wind auf, aber unser Anker hält. Ich werfe ihn immer und mein „Capitano“ prüft anhand von Landpeilung und Motor den Halt. Wir sind beruhigt, erst recht, als

 

Freitag, 18.07.2003

unsere vier Charterschiffe fluchtartig den Schwimmsteg verlassen. Es hat sich dort so ein Schwell gebildet, dass zwei der Schiffe mit den Masten / Wanten aneinander geraten sind. Sie werden mit dem Schlauchboot heraus geschleppt und ankern nun in der Bucht. Na, das hätten sie auch billiger haben können!!

 

Montag, 21.07.2003

In der gestrigen Nacht kam uns das Beiboot eines Nachbarn so nahe, dass es uns ein paar Mal an Steuerbord geschupst hat. Und die Crew im tiefen Schlaf. Unser Anker hält bombenfest, um aber keinen Schaden zu nehmen, fahren wir mitten in der Nacht ein neues Ankermanöver einige Meter weiter.

Da wir ohnehin heute weiter wollen, nehmen wir um 12.00 Uhr den Anker hoch und fahren bis zur nächsten Bucht „Isola Faraglioni“. Die Idee hier zu ankern, hatten vor uns schon andere, es ist mal wieder voll. Dafür werden wir mit einer schönen Landschaft verwöhnt, backbord steile weiße Felswände, steuerbord eine bewaldete Steilküste und vor dem Bug ein schöner Sandstrand. Unser Beiboot wird im Moment nicht gebraucht, wir klappen es ohnehin vor jeder Fahrt zusammen. Apropos Beiboot: Wir wurden schon des öfteren von interessierten Seglern gefragt, wer das „Bananaboot“ vertreibt, da man es in Italien nicht kennt. Ich werde dem Hersteller mal einen netten Brief schreiben, damit er seine Geschäftsaktivitäten bezüglich des Bootes auch nach Italien ausdehnen kann. Interessiert schaut man uns immer beim Aufstellen und Abbauen zu. Es geht schnell, schließlich haben wir schon Routine darin.

Als abends das letzte Boot die Bucht verlassen hat und auch der Besitzer des einzigen Lokals (es wurde sogar der Müll mitgenommen) mit dem Schlauchboot weggefahren ist, sind wir alleine. Als der Wind einschläft, erleben wir einen beeindruckenden Sonnenuntergang.

                              

Dienstag, 22.07.2003

Heute haben wir sogar den Wecker stellen müssen, um 5.30 Uhr verlassen wir die Bucht, denn 35 sm liegen vor uns bis zum Festland nach Marina di Nettuno. Der Wind weht, wie meistens in dieser Jahreszeit aus NW. Gegen 15.00 Uhr laufen wir im Hafen von Nettuno ein und wollen zuerst tanken. Da wir uns auskennen, haben wir schon ein freies Plätzchen am Transitsteg erspäht. Doch just während des Tankens kommt uns ein anderer Segler zuvor. Sch...... Da kommt auch schon der „Liegeplatzeinweiser“ und gibt uns einen Platz im Vorhafen. Ich frage nach, ob eine Mooring vorhanden ist, nein es muss Anker geworfen werden. Schnell Anker klar machen, werfen – meine Arbeit – , und mein „Capitano“ geht mit dem Heck an die Kaimauer. Wir machen die Leinen fest, ich schaue die Kaimauer hoch. Na, ohne fremde Hilfe komme ich hier nicht von Bord, so hoch ist sie. Kaum haben wir verschnauft, wird uns ein neuer Platz zugewiesen. Also, das Spielchen noch mal von vorne: Motor starten, Leinen los, Anker hoch und zu dem neuen Liegeplatz. Der ist allerdings Spitze, absolut ruhig, und unsere Nachbarn sind sehr freundlich. Wir werden wie alte Bekannte begrüßt. Als wir dann, wie üblich, bezahlen wollen, erfahren wir, dass die Stege in Privatbesitz sind und die Bezahlung in der Agenzia erfolgen muss. Es würde abends jemand zum Kassieren vorbei kommen. Obwohl wir warten, erscheint niemand. Auch am nächsten Tag nicht. Erst am Abfahrtstag werden wir unser Geld los. Dafür unterhalten wir uns lange mit der jungen Dame. Diesem Hafen mit dem Liegeplatz insbesondere, gebe ich 4 Sterne.

 

Donnerstag, 24.07.2003

Rom hat uns wieder! Wir laufen dieses Mal den „Porto di Roma“ (direkt am Ostia-Strand) an. Beim Einlaufen nimmt uns der Hafenmeister in Empfang und weist uns unseren Liegeplatz zu. Die kleineren Boote liegen am südlichen Steg. Im Moment ist man damit beschäftigt, einem anderen deutschen Schiff beim Anlegen zu helfen. Der Skipper versteht nur Bahnhof, alle Anweisungen des Italieners werden entweder gar nicht oder missverstanden. Anstatt die Leinen zu fieren, zieht er, so dass der Mann fast vom Steg gerissen wird. Dem platzt der Geduldsfaden, er geht selbst an Bord und nimmt das Manöver in die Hand. Endlich ist das Schiff festgemacht, und wir sind an der Reihe. Wir haben gelernt, die Anweisungen in ital. Sprache zu verstehen und auch weiter zu geben. Und so klappt alles prima.

Der „Porto di Roma“ ist einer Hauptstadt wahrlich würdig. Eine Promenade, schicke Geschäfte, Cafés, die sanitären Anlagen sauber, auf dem neuesten Stand und das Wichtigste, die Steganlagen sind super. Jeder Steg ist mittels einer Schranke gesichert, hierfür bekommen wir einen Chip, ebenso für die Duschanlagen. Da sich hier auch Waschmaschinen und Trockner befinden, machen wir gleich mal die große Wäsche.

In dem weitläufigen Hafengelände befinden sich gepflegte Grünanlagen mit Skulpturen namhafter Künstler. Diesem Hafen erteile ich fünf Sterne. Die hat er verdient.

 

Freitag, 25.07.2003

Die Fahrt nach Rom ist denkbar einfach. Und da wir die Verkehrsanbindungen kennen, geht es heute gleich mal wieder Großstadt schnuppern. Dieses Mal nehmen wir keinen Stadtplan mit. Wir wollen uns einfach treiben lassen, diese schöne Stadt genießen, und so finden wir auch die lauschigsten Plätzchen. Direkt am Campo dei Fiori essen wir zu Abend, nehmen die letzte U-Bahn, erreichen unsere Buslinie zum Hafen und fallen rechtschaffen müde in die Koje.

 

Samstag, 26.07.2003

Aber heute geht’s gleich weiter nach Santa Marinella. Um 9.15 Uhr verlassen wir „Porto di Roma“. Kurs 318°, Wind NW, Beaufort 4, das bedeutet hart am Wind segeln. So sind wir dann auch schon um 15.30 in Santa Marinella. Das übliche: den zugewiesenen Platz ansteuern, beim Hafenbüro melden, bezahlen. Es ist natürlich von Vorteil, wenn man den Hafen und den Ort kennt und vor allen Dingen, wo man einkaufen kann. Der Weg vom Hafen soll nicht so weit sein, denn schließlich müssen wir alles (Hauptsache Getränke) zum Boot schleppen.

 

Montag, 28.07.2003

Die Bahnverbindung entlang der Küste ist optimal. Kurz entschlossen nehmen wir den Zug nach Civitavecchia. Wir haben über diese Stadt oftmals negative Äußerungen gehört. Uns gefällt sie. Sie hat eine schöne Promenade, der Hafen liegt malerisch unterhalb eines Castellos, und heute ist Markttag. Da Civitavecchia kein direkter Touristenort ist, sind die Preise human. Auf dem Markt decken wir uns reichlich mit Obst ein.

 

Mittwoch, 30.07.2003

Wir haben an die vorgesehenen 2 Nächte noch 2 drangehängt. Der Sekretär im Hafenbüro lachte schon, als wir zum Bezahlen kamen. Er erzählt uns von einem Deutschen, der ursprünglich eine Nacht bleiben wollte, dann aber ein halbes Jahr blieb. Nicht schlecht, doch uns bleiben noch 4 Wochen. Santa Marinella gebe ich 4 Punkte für Freundlichkeit und Service.

Heute morgen sind wir schon um 5.30 weiter gesegelt. Nur mit dem Großsegel und Wind aus NW lassen wir den Anker um 12.30 Uhr in der Bucht „Spalmatoi“ auf der kleinen Insel Giannutri  fallen. Unser Echolot zeigt 21 m an. Die Bucht ist zwar gut besucht, doch es ist genug Platz zum Schwojen.

 

Donnerstag, 31.07.2003

Das 2. Mal seit Beginn unseres Segeltörns sind dunkle Wolken aufgezogen. Um 14.00 Uhr haben wir Windstärke 6, in Böen auch darüber. Innerhalb kürzester Zeit verlassen sämtliche Schiffe die Bucht. 2 Motorboote, die im Päckchen liegen, bekommen Probleme mit ihren Ankern, die sich ineinander verhakt haben. Nach geraumer Zeit sind sie frei, doch auch ein Segler hat seine Schwierigkeiten. Sein Motor springt nicht an, er kommt unweigerlich auf Legerwall, kann gerade noch in einer kleinen Ausbuchtung am Fels die Leinen festmachen. Später wird er von einem Schlauchboot abgeschleppt.

Da wir bereits über 24 Stunden hier liegen, unser Anker absolut sicher hält, entscheiden wir uns zu bleiben. Es blitzt und donnert; geregnet hat es allerdings nur höchstens 10 Minuten. Wir sind unter Deck und beobachten aus der Luke die Wetterlage. Gegen 16.00 Uhr wirft ein ca. 17 m langes Stahlschiff mit englischer Flagge in unser unmittelbarer Nähe Anker. Wir wundern uns, zumal ja genug Platz vorhanden ist. Als Manfred an Deck geht, sehen wir auch schon das Malheur. Die Yacht treibt auf uns zu, Manfred kann gerade noch das Heck wegdrücken. Da aber der Skipper sein Beiboot an den Wanten festgemacht hat, (bei den vielen Schiffen, die uns im Laufe unseres Seglerlebens begegnet sind, haben wir das noch nie gesehen), verfängt sich das Dingi in unseren Wanten, erst an den vorderen und dann an den hinteren. Und der Pott haut gegen unseren Rumpf. Wir rufen dem Skipper auf englisch zu, seine Maschine zu starten, nichts rührt sich. Erst auf unseren Zuruf in italienisch reagiert er. Mittlerweile kommt ein 2. Mann an Deck, er trägt zwar einen Südwester, ist aber genau so unfähig. Merke: nicht jeder, der einen Südwester anhat, ist ein Seemann, und nicht jeder, der ein Schiff unter engl. Flagge fährt, spricht englisch.

Uns reicht es. Wir starten den Motor und holen den Anker hoch. Ich muss sagen, bei Windstärke 6 und dem Wellengang ist das Schwerstarbeit. Als der Anker frei ist, muss Manfred mir helfen, ich bin fix und fertig. Wir steuern die andere Seite der Bucht an. Das Schiff rollt ununterbrochen, erst nachts um 3 Uhr lässt der Wind nach, der Schwell beruhigt sich, und wir finden endlich den verdienten Schlaf.

 

Freitag, 01.08.2003

Es ist merklich abgekühlt, das Thermometer zeigt 23°C. Wir machen unser Beiboot klar und rudern an Land. Die Insel Giannutri hat eine dichte Vegetation, vereinzelt sieht man Ferienhäuser, und an der Bucht „Spalmatoi“ befindet sich ein Feriendorf mit einem kleinen Supermarkt. Wir ordern frisches Obst und Wasserflaschen. Die angenehmen Temperaturen laden zu einem Spaziergang ein, und so gehen wir über den „Berg“ und besuchen die der Bucht „Spalmatoi“ gegenüber liegende Bucht „Cala Maestra“. Bei einer unserer früheren Reisen haben wir hier schon mal geankert. Nun sind wir ein bisschen enttäuscht. Die Landseite ist zu einem Schrottplatz von ausrangierten Booten verkommen, und Badegäste dicht an dicht tummeln sich im Wasser. Wir wandern durch den schönen Laubwald, besichtigen noch die Reste einer römischen Villa, ehe wir zu unserem Ankerplatz zurückkehren.

Eine Überprüfung unseres Schiffes hat Gott sei Dank keinen Schaden erkennen lassen. Dank unserer Metall-Scheuerleiste sind wir mit dem blauen Auge davon gekommen. Lediglich sind hier Farbreste zu sehen, die von dem Stahlschiff stammen.

 

Dienstag, 05.08.2003

Als nächstes Ziel haben wir wieder unseren Ausgangshafen Castiglione della Pescaia vorgesehen. Es ist 15.00 Uhr, als wir fast genau am gleichen Platz wie am Beginn unseres Törns festmachen. Wir machen uns direkt startklar, um unser Auto auf dem Campingplatz abzuholen. Dass unser Trailer noch unversehrt an der gleichen Stelle steht, ist schon mal positiv, und auch unser Auto ist zwar vor lauter Schmutz und Piniennadeln fast nicht wieder zu erkennen, aber alles bestens.

Gegen Abend laden uns unsere beiden Hafennachbarn zu einer Flasche Wein aus eigenem Anbau ein. Es ist ein netter, unterhaltsamer Abend.

       

Mittwoch, 06.08.2003

Da wir ja nun wieder motorisiert sind, machen wir heute einen Ausflug nach Talamone, ca. 20 km von C.d.P. entfernt. Die Altstadt von Talamone trohnt auf einem Berg, umgeben von einem Castello. Und während wir so durch die alten Gassen streifen, entdecken wir eine Bäckerei. Der Meister steht vor der Tür; wir kommen ins Gespräch. Er erzählt uns seinen Tagesablauf, er ist nicht anders als bei uns. Molto lavoro. Wie recht er hat!! Seine Frau, die mittlerweile dazu gekommen ist, lässt es sich nicht nehmen, uns frisch gebackene Pizza einzupacken. Sie nimmt partout kein Geld, für den Fornaio aus Germania, molto piacere.

 

 

 

 

 

Freitag, 08.08.2003

Heute steht wieder ein Ausflug auf dem Programm, und zwar nach Orvieto. Dass auf den Weinbergen rund um Orvieto ein vorzüglicher Weißwein angebaut wird, ist hinreichend bekannt. Man kann ihn in zahlreichen (nicht ganz billigen) Tavernen kosten. Wir aber wollen diese 3000 Jahre alte Stadt – eine der schönsten Italiens - kennen lernen. O. liegt auf einem riesigen Tuffsteinsockel und ist eine alte etruskische Siedlung. Sie diente ab dem 14. Jh. 37 Päpsten als Zufluchtsort und ist entsprechend befestigt. 1527 wurde ein 62 m tiefer Brunnen ins Gestein gegraben, der die Stadt bei Belagerung ausreichend mit Wasser versorgte. Noch heute hat der „Pozzo die San Patrizio“ am Grund etwas Wasser. Wer sich davon überzeugen will, kann 250 Stufen hinabsteigen. Wir bleiben jedoch oben und nehmen einen kleinen Trunk vom köstlichen Wein. Apropos Wasser: Wenn man die Strada stradale  74 in Richtung Orvieto fährt, kommt man quasi am Lago di Bolsena vorbei. Der 115 qkm große, fast kreisrunde See mit seinen zwei kleinen Inseln füllt den Krater eines erloschenen Vulkans. Am nordöstlichen Ufer liegt der Ort Bolsena mit einem schönen Strand und einer stimmungsvollen Altstadt.

Nachdem wir uns gestärkt haben, geht es zurück über Landstraßen nach Grosetto, nicht ohne vorher noch kurz einen Abstecher nach Pitigliano gemacht zu haben. Auch diese Stadt trohnt auf einem Tuffsteinberg, es scheint gerade so, als wachsen die Häuser aus dem Gestein. So verschachtelt sind sie. Die Gassen eng, verträumt, einige kleine Lokalitäten, an jeder Ecke gibt es was Neues zu entdecken.

                                      

Montag, 11.08.2003

Heute haben wir eine Einladung zum Abendessen bei einer ital. Familie erhalten. Um 20.00 Uhr werden wir abgeholt, und dann geht die Fahrt über Land ein gutes Stück in die Toskana. In dieser Gegend waren wir noch nicht. Manfred fährt mit unserem Auto hinterher, schließlich müssen wir ja wieder zurückfahren. Es ist ein traumhafter Abend, das schöne toskanische Haus liegt inmitten von Wiesen und Wäldern. Die ganze Palette toskanischer Spezialitäten wird aufgetischt; wir haben alles probiert. Die Herzlichkeit, mit der wir aufgenommen wurden, war schon beeindruckend. Erstaunlich auch, dass der Herr des Hauses viel über unsere Heimat weiß, z.B. Landschaft, Geschichte und dass es bei uns an der Mosel einen sehr guten Wein gibt. Es ist weit nach Mitternacht, als wir die Heimfahrt antreten-.

                                      

Mittwoch, 14.08.2003

Von der toskanischen Landschaft können wir gar nicht genug bekommen, und deshalb beschließen wir, heute nach San Gimignano zu fahren. Inmitten von Getreidefeldern liegt dieses mittelalterliche Städtchen mit seinen Geschlechtertürmen. Ehemals sollen 72 in der Stadt gestanden haben, heute sind noch 13 übrig. Ursprünglich dienten die Türme, von den einige bis zu 100 m hoch waren, als Zufluchtsort der Patrizierfamilien bei Auseinandersetzungen. Innerhalb von S.G. herrscht Autoverbot. Umso größer ist das Vergnügen, durch die malerischen Gässchen zu bummeln und die kleinen Palazzi und Häuser zu betrachten. Wir tun es den anderen Touristen gleich und schauen, schauen, schauen.

                                       A

Samstag, 16.08./Sonntag, 17.08.2003

Wir haben unseren Krantermin festgemacht, unsere letzten 2 Tage hier in C.d.P. sind angebrochen. Mittlerweile sind die Strände schon morgens stark belegt, schließlich sind Ferien in Italien. Nicht nur die Italiener, nein, auch sehr viele deutsche Feriengäste haben den Ort zu ihrem Urlaubsquartier auserkoren. Auch wir packen unsere Badesachen und verbringen Stunden am Strand oder besser gesagt, im warmen Wasser.

 

Montag, 18.08.2003

Punkt 8.00 Uhr hebt der Kran unsere gute „MISS“ aus dem Wasser. Das Unterwasserschiff hat Muscheln und vom Flusswasser hier in C.d.P. noch zusätzlich Algen angesetzt. So wie es geht, entfernen wir das Gröbste, lange können wir hier nicht am Kran stehen bleiben, denn der nächste Kunde steht schon auf der Matte. Da wir abends schon alles gepackt haben, brauchen wir nur noch den gelegten Mast, die Wanten und Stage für die lange Fahrt ordnungsgemäß verzurren. Um 9.00 Uhr verlassen wir das Hafengelände. Die Fahrt geht reibungslos. Gegen 20.00 Uhr steuern wir den Rastplatz in Bellinzola (Schweiz) an, trinken noch ein Bierchen. Zwei niederländische LKW-Fahrer bekommen auch was ab, da ihnen das Bier ausgegangen ist. Sie erzählen uns, dass man auf Schweizer Raststätten kein Bier kaufen kann. Haben wir ein Glück gehabt, dass wir vorgesorgt haben.

                                       t

Dienstag, 19.08.2003

Nach 1160 km und 18 Stunden Lenkzeit erreichen wir um 18.00 Uhr unseren SMC.

Der durchschnittliche Dieselverbrauch betrug 12,9 l

 

Ein Langzeittörn ist zu Ende. Wir haben viel, sehr viel, gesehen. Es hat alles gepasst. Die Landschaft, das Meer, die Menschen, die Wetterverhältnisse, die „CREW“. Es war eine wunderschöne Zeit, die Lust auf eine Wiederholung macht. Schau’n wir mal!

 

CIAO, BELL’ ITALIA A PROSSIMO ANNO!

©by Reni Schmudermaier

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